Brand

  1. Ø 4.8
   2010
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Brand Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Brand: Zwischen Thriller und Arthousedrama mäandert dieser Film Noir mit Josef Bierbichler als Schriftsteller in der Abwärtsspirale.

Schriftsteller Brand will seine Schreibblockade überwinden, indem er ein Fototagebuch über das Sterben seiner unheilbar krebskranken Frau Martha verfasst. Eigentlich ist der notorische Lügner längst bankrott und betrügt Martha nun auch noch mit der hübschen türkischstämmigen Krankenschwester Angela. Ihr eifersüchtiger Mann, der Polizist Celik, kommt ihnen auf die Spur und plant einen Ehrenmord. Zwischen ihm und Brand entspinnt sich ein Psychoduell, das den Schriftsteller in eine ruinöse Abwärtsspirale bringt.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Brand ist Schriftsteller, seine Frau eine berühmte Schauspielerin. Sie liegt krebskrank im Sterben. Brand fotografiert.

    Fotografie: Das ist das Festhalten eines Moments, eingefrorene Gegenwart; ist Anteilnahme, ist auch Ausbeutung, das Wegnehmen des Abbildes des anderen, wenn nicht gar seiner Seele; fotografieren heißt, sich den anderen anzueignen, aus Liebe oder vielleicht auch für ein Buch, das Brand über das Sterben seiner Frau zu schreiben gedenkt. Im Foto, im Festhalten der Zeit und des Anderen, distanziert man sich auch von seinem Objekt; und man fängt im Bild den Zufall ein.

    Auf einem Foto aus dem Krankenzimmer ist die Pflegerin zu sehen; und wie Brand am Computer vom herangezoomten Gesicht der kranken Frau über das Bild auf das junge Antlitz von Angela schwenkt, so nähert er sich ihr auch tatsächlich an: direkt geht er auf sie zu, aus der Deckung der Heimlichkeit, geht mit ihr aus, schäkert, beginnt eine Affäre mit ihr, eine verhängnisvolle: Als er einmal sie fotografiert in Tanz und Flirt, spiegelt sich in der Fensterscheibe im Hintergrund ein Gesicht, das sie beobachtet.

    Bierbichler spielt diesen Brand, einen Denker mit massiger Körperlichkeit, der scheinbar in sich ruht und der doch immer in Bewegung ist, dessen Finger nie ruhig bleiben, der seinem Trieb folgt, während die Frau dem Tode sich nähert. Sehr nah waren sich die Eheleute nicht, Heimlichkeiten gab es auch, jetzt kommt Betrug dazu, und damit Bedrohung, Gefahr. Angela, die osteuropäische Schöne, ist verheiratet mit einem türkischstämmigen Polizisten, und der und sein Freund mit dem bösartigem Bullenschnurrbart – das Gesicht auf dem Foto – wissen ganz genau um ihre Macht.

    Caymaz gegen Brand: Das sind Kraftproben, Kampfspiele der Alphamännchen. Brand, der Angela will, Caymaz, der Angela hält – für sie, dazwischen, gibt es nur das Zerrissenwerden. Dennis Moschitto spielt den Caymaz mit schönem Wiener Dialekt, der dem brummelnden Bierbichler-Bayrisch überlegen ist in seiner leisen, charmanten Bedrohlichkeit. Das Freundliche ist die Gefahr – wir wissen es seit Christoph Waltz, dem österreichischen Judenjäger –, Moschitto spielt das aus in diesem Duell.

    Klug treibt Regisseur Thomas Roth die Eskalation voran: Ein Strafzettel wegen Geschwindigkeitsüberschreitung, dagegen die Drohung mit dem Anwalt, dagegen eine Anklage wegen Vergewaltigung – exponentiell erweitert sich das Tit for Tat, die Trümpfe, die ausgespielt werden, haben immer höheren Wert. Dazwischen Angela, die sich verplappert, und die Ehefrau, die bald alles weiß.

    Es ist ein Kampf um das richtige Bild, um Brands Fotodateien, um das Bild, das sich jeder vom anderen macht, der eine aus triebhafter Liebe, der andere aus besitzergreifender Paranoia. Es ist ein Tanz um das Gemälde in Brands Haus, ein Baselitz, der einen umgedrehten, vielleicht verwesenden Kopf zeigt – symbolisch natürlich für diese Liebesdrama- und Noir-Totengeschichte, metaphorisch wie auch das Reh, das aus unsichtbarem Versteck erschossen wird. Gegen Ende fehlt Brand ein Ohr, später dann, da hat er eigentlich fast schon gewonnen, kann er nur noch aus einem Auge sehen, mit einem Auge blinzeln. Und er kann nur noch fotografiert werden, für die Ewigkeit.

    Fazit: Spannendes Thrillerdrama um Ehebruch, Triebe, Macht und Gewalt, das sich in immer weiterer Eskalation aufschaukelt.
  • Josef Bierbichler gerät als notorischer Lügner in Thomas Roths eigenwilligem Film Noir in eine gefährliche Abwärtsspirale aus Leidenschaft und Gewalt.

    Als „Schwarzweißfilm in Farbe“ bezeichnet der selten Kinoprojekte realisierende Österreicher Thomas Roth und stellt – nach so unterschiedlichen Werken wie der schwarzen Krimigroteske „Kaliber Deluxe“ und dem Mainstream-Biopic „Falco – Verdammt, wir leben noch!“ – seine Vielseitigkeit mit einem Arthouse-Thriller unter Beweis. Mit dem Charakterstar Josef Bierbichler hat er einem minimalistischen Film Noir gewirkt, der im Grenzbereich von undurchsichtigem Genre-Thriller und anspruchsvollem Autorenkino eigene Weg beschreitet und seine Hauptfigur in ein Verhängnis aus Kunst, Sex und Tod taumeln lässt.

    Die mit den Mitteln des Arthousedramas erzählte Thrillerhandlung wird von den Charakteren angetrieben und entfaltet unterschwellige Spannung, deren fatale Entwicklung von Beginn an erahnbar ist, so sehr steht eine morbide Faszination für den Tod im Zentrum: Der schreibblockierte Schriftsteller Brand (Name ist Programm: Bierbichler) dokumentiert das Sterben seiner krebskranken Frau fotografisch und beginnt mit ihrer türkischen Krankenschwester Angela (Angela Gregovic) eine Affäre, die verborgene Leidenschaften weckt und sich zur Amour fou ausweitet. Das bringt dem notorischen Lügner und Bankrotteur, der seine Frau laufend hintergeht, nicht nur die ersehnte Inspiration, sondern weckt auch in Angelas eifersüchtigen Mann Celik (gefährlich wie ein Klappmesser: Denis Moschitto aus „Chiko“) Gelüste einen Ehrenmord zu begehen Als Polizist nutzt er seine Machtposition aus.

    Zwischen den Männern entbrennt ein Psychoduell, das eine eskalierende Gewaltspirale in Gang setzt. Dabei erweist sich vor allem Bierbichlers amoralische Figur als Brandstifter, der mit seinem Leben spielt, und Moschitto als dazugehöriges Pulverfass. Die Nachtfahrt ins Seelendunkel überzeugt, die Naivität, blind in jede erdenkliche Falle zu tappen, hingegen lässt vieles konstruiert erscheinen. Das Charakter-Nocturno, bei dem mitunter schwer zu entscheiden ist, wen man unsympathischer finden soll, gefällt vor allem als künstlerischer Entwurf menschlicher Leidenschaften, erzählt von Liebe, Eifersucht, Rache und Betrug, Schuld und Erlösung, Ruin und Schöpfung.

    tk.

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