Das Gewicht des Wassers

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Kritikerrezensionen

  • Das Gewicht des Wassers lastet tonnenschwer auf den Protagonisten dieses explosiven Psychothriller, in dem ein Ehedrama der Gegenwart und die Geschichte eines mysteriösen Doppelmordes im 19. Jahrhundert untrennbar miteinander verstrickt wird. Die gleiche existenzielle Last ist es auch, die Kathryn Bigelows Verfilmung des Romans von Anita Shreve aus dem Jahr 1995 bisweilen die Atemluft abzuschnüren droht. Dem überragenden Ensemble, allen voran die Hauptdarstellerinnen Catherine McCormack („Braveheart“) und Sarah Polley („Das süße Jenseits“), und der filmemacherischen Brillanz Bigelows ist es zu verdanken, dass das fließend zwischen den Zeitebenen oszillierende Psychogramm zweier Frauen, die zum Äußersten getrieben werden, aller emotionalen Kälte zum Trotz fesselt und überzeugt.

    Oberflächlich betrachtet betritt die Actionspezialistin Bigelow mit ihrem ersten Film seit dem kommerziell enttäuschenden „Strange Days“ vor fünf Jahren filmisches Neuland. Tatsächlich aber ist „The Weight of Water“ nur der konsequente Versuch der aufregendsten Filmemacherin Hollywoods, ihre Themen in einem neuen Kontext außerhalb gängiger Genreregeln zu erweitern und von einer neuen Seite zu beleuchten: Wie so oft bei ihr stehen auch hier Frauen, die sich in einem feindlichen, maskulinen Umfeld behaupten müssen, im Mittelpunkt, geht es um die Ursprünge und Folgen von Gewalt, sieht sich auch diese intensive und hoch persönliche Exkursion in die weibliche Psyche Bigelows Credo von „eindringlichem, kinetischem, kathartischem High-Impact-Kino“ verpflichtet. Nur: Hier werden ihre untrüglichen Peckinpah-Instinkte durch die deutlich weicheren, feminineren, poetischen Betrachtungen von Anita Shreve über Betrug, Eifersucht, Liebe, Schuld und Verlust gefiltert. Die Philosophien beider Frauen scheinen zunächst wenig kompatibel. Aber gerade der Zusammenprall ihrer Welten verleiht der komplexen Tragödie eine innere Spannung, die im Film ihre Entsprechung in den Geschichten der Fotografin Jean in der Gegenwart und der norwegischen Einwanderin Maren im auslaufenden 19. Jahrhundert findet.

    Mit Ausnahme von zwei einschneidenden Änderungen bleibt das Drehbuch von Alice Arlen und Christopher Kyle der Vorlage sklavisch treu. Ausgehend von einem wahren, bis heute ungeklärten Kriminalfall des Jahres 1873 – zwei norwegische Einwanderinnen wurden auf einer einsamen, Neuengland vorgelagerten Insel mit Axthieben getötet, eine dritte konnte fliehen und wurde verstört in einer Höhle aufgefunden – fügen sie die Geschichte nach Manier eines Puzzles zusammen: Die Fotografin Jean soll für eine Reportage Fotos von jener Insel machen. Mit ihrem Ehemann, dem Pulitzer-Preis-Träger Thomas, seinem Bruder Rich und dessen neuer Geliebter Adaline steuert sie auf einer Yacht besagte Smuttynose Island an. Als Jean handschriftliche Aufzeichnungen der Überlebenden von damals findet, vergräbt sich Jean immer tiefer in die Ereignisse. Ihre Seelenverwandtschaft mit der verzweifelten, vereinsamten Maren, die auf Smuttynose von einem dunklen Punkt ihrer Vergangenheit eingeholt wird, verstärkt Jeans innere Isolation in der Gegenwart: Sie ist überzeugt, dass ihr Mann ein Verhältnis mit Adaline hat. Und so steuern beide Frauen, von einem Jahrhundert getrennt und sich doch so nah, jeweils während eines wüsten Unwetters auf ihre Katastrophe zu.

    Leicht hat es sich Kathryn Bigelow mit ihrer für knapp 20 Mio. Dollar entstandenen Adaption nicht gemacht: Sehr komplex sind die Anforderungen der Handlung, ausgesprochen fein die Charakterisierungen der knapp zehn handelnden Figuren. Kraft ihres Könnens gelingt es ihr doch, dem schier unverfilmbar erscheinenden Roman Herr zu werden. Deutlich trennt sie die Zeitebenen: Während die Gegenwart mit entspannten, verführerischen Momentaufnahmen schnappschussartig umrissen wird, findet sie strenge, durchkomponierte Bilder für die Vergangenheit. Dennoch fügen sich beide Ebenen übergangslos ineinander. Auch ein Verdienst der überragenden Schauspieler: Die aufreizende Szene, in der sich Elizabeth Hurley vor Sean Penns Augen mit Eiswürfeln die Brüste stimuliert, mag für Schlagzeilen sorgen. Aber die fein modulierten Darstellungen von Sarah Polley und Catherine McCormack sind es, die lange beim Zuschauer im Gedächtnis haften bleiben: Ihre stille Verzweiflung, ihre einsame Implosion der Gefühle vermittelt eine Ahnung, wie unerträglich das Gewicht des Wassers, sprich: das Gewissen, auf Menschen lasten kann, die ausgerechnet im Moment der größten Leidenschaft entsetzliche Schuld auf sich nehmen. ts.

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