The New World

  1. Ø 4
   2005

The New World: Terrence Malicks in traumhaften Bildkompositionen erzählte Liebesgeschichte zwischen dem Pionier John Smith und der Indianerprinzessin Pocahontas.

Trailer abspielen
The New World Poster
Trailer abspielen
Alle Bilder und Videos zu The New World

Filmhandlung und Hintergrund

The New World: Terrence Malicks in traumhaften Bildkompositionen erzählte Liebesgeschichte zwischen dem Pionier John Smith und der Indianerprinzessin Pocahontas.

Im frühen 17. Jahrhundert erschließen die Briten den nordamerikanischen Subkontinent. Captain John Smith (Colin Farrell) leitet auf dem Gebiet des heutigen Virginias eine Expedition in die Wälder und stößt auf kriegerische Indianer, die ihr Gebiet gegen die Eindringlinge verteidigen. Nur Smith entgeht dem Massaker, und wird von der jugendlichen Häuptlingstochter Pocahontas (Q’Orianka Kilcher) gerettet. Bald entspinnt sich zwischen den beiden eine generationen- und kulturenübergreifende Romanze.

Terrence Malick

Im 17. Jahrhundert legen erste britische Pilger auf amerikanischem Festland an. John Smith, einer der Anführer der ersten Ansiedlung in Virginia, lernt die Eingeborene Pocahontas, eine Prinzessin der Powhatan-Indianer, kennen und lieben. Doch die Harmonie ist nur von kurzer Dauer. Kräfte auf Smiths sowie auf Pocahontas‘ Seite sorgen dafür, dass nicht nur die Liebe der beiden zum Scheitern verurteilt ist.

Im Jahr 1607 legen drei britische Schiffe im jungfräulichen Virginia an. Kolonialisten stoßen auf Eingeborene. Unter den Neuankömmlingen befindet sich auch der Abenteurer John Smith, der bei einem Erkundungszug dem Tod ins Auge blickt und von einer namenlosen Häuptlingstochter gerettet wird. Hals über Kopf verlieben sich die beiden ineinander. Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer. Denn sowohl Smiths Gefolgsleute als auch die Indianer sorgen dafür, dass nicht nur deren Liebe auf brutalste Weise zerstört wird.

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

So werten die User Ø
(2)
5
 
Stimme
4
 
Stimme
3
 
Stimme
2
 
Stimme
1
 
Stimme
So werten die Kritiker (3 Stimmen)
5
 
Stimme
4
 
Stimme
3
 
Stimme
2
 
Stimme
1
 
Stimme

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

  • „Wertvoll”

    Im Jahr 1607 finden sie Land, finden sie Amerika. Drei Segelschiffe der Virginia Company fahren mit 103 Siedlern nach 5000 Seemeilen von England über den Atlantik kommend in die Mündung eines dann James River getauften Flusses in Virginia ein. Zwei Welten begegnen sich, die Kolonisierung der "Neuen Welt" beginnt.

    Regisseur Terrence Malick hat für sein lange verfolgtes Projekt von der Besiedlung Amerikas einen interessanten Ansatz gefunden. In der Häuptlingstochter Pocahontas und dem undisziplinierten Captain John Smith begegnen sich zwei Grenzgänger ihrer jeweiligen Kultur. (...)

    Terrence Malick wirft die Frage auf, ob ein wirtschaftlicher Gewinn oder ein Machtzuwachs wirklich einen Fortschritt für die Menschen bedeuten. In "The New World" stellt er dabei die Neue Welt der Alten gegenüber und er zeichnet bildhaft nach, wie diese Begegnung beide Welten verändert und etwas Neues schafft: eine wahrhaft neue Welt, in der die alten menschlichen Werte immer weniger gelten. Malick zeigt das Paradies, zeigt ein Gelobtes Land - und er zeigt den Sündenfall. Er zeigt, wie die Gier nach Besitz die Welt verformt: "Während sie hungern, graben sie nach Gold", heißt es an einer Stelle über die Siedler. Und bald schon ist es zu spät, "das falsche Leben gegen ein wahres zu tauschen".

    Dem Film ist sehr zu Gute zu halten, dass keine politische Botschaft zeigefingerhaft über dem Betrachter schwebt. "The New World" ist ein ruhig-besonnener Anti-Kolonialfilm mit betörend schönen und gewaltigen, teilweise wie gemalt wirkenden Bildern. Die Kamera vermag tatsächlich immer wieder jenen Blick zu evozieren, der auf das Fremde, Neue, Unbekannte fällt. Scheu und schüchtern ist sie, vorsichtig schweifend, behutsam und umsichtig wie die ersten Schritte auf fremdem Grund. Eine große wortlose Scheu und Zärtlichkeit ist auch zwischen den beiden Hauptpersonen. Colin Farrell und die sensationelle Debütantin Q'Orianka Kilcher sind großartige Darsteller. Auch Christian Bale, Christopher Plummer und all die anderen erweisen sich als erste Wahl für das Schauspielerensemble.

    Für eine längere Diskussion im Bewertungsausschuss sorgte die eingesetzte klassische Musik. Hier schieden sich die Geister.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Bereits der Vorspann besitzt symbolischen Wert. Dort wird eine noch weiße Landkarte in Begleitung bedrohlicher Untertöne mit Linien überwuchert: die unerbittliche Eroberung einer fremden, neuen Welt hat begonnen. Und diese neue Welt stellt sich dem Betrachter zunächst wie ein mystisch angehauchtes Arkadien dar. Dunkelgrün und feucht, von geheimnisvoller und schier atemberaubender Schönheit.

    Gemeinsam mit der Figur des John Smith erfährt der Zuschauer zunächst eine eigene Annäherung an die nicht mehr vorhandene und aus diesem Grund auch nie wieder nachvollziehbare Lebenswelt der Ureinwohner Nordamerikas. Zwar wirkt die klischeehaft vereinfachte Aufteilung der beiden gegenüberstehenden Zivilisationen in himmlisch und höllisch fehlerhaft, doch diese Sicht entspringt Beobachtungen der Hauptfigur John Smith und ist entsprechend subjektiv.

    Pocahontas, das junge, traumbildhafte Naturwesen, das inmitten der paradiesischen Idylle umhertollt kann stellvertretend für die Darstellung harmonischer Ureinwohner-Mythen gesehen werden. Das Hervorheben des edlen Wilden, der ohne Verschlagenheit, Neid oder Gier, liebevoll und treu mit der Natur im Einklang lebt kontrastiert stark mit der Darstellung verwahrloster, heruntergekommener Eroberer, die selbst im größten Hunger nur daran denken, Gold zu finden oder ihre Macht zu behaupten.

    Die Geschichte wird aus dem Off kommentiert von einem ruhigen und scheinbar in die Vergangenheit blickenden Erzähler. Und es ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau, auch wenn die Erzählperspektive zu Beginn noch bei der Figur des John Smith liegt. Die Häuptlingstochter wird zu einer Grenzgängerin zwischen den Welten, der Beginn einer endgültigen Vermischung beider Lebenssphären hat begonnen. Ihre Aufgabe ist es, den Geist ihrer alten Welt in die neue Welt hinüber zu retten. Und das geschieht inmitten einer keuschen Liebesgeschichte, die sowohl Dramatik als auch wechselvolle Ereignisse bereithält.

    Terrence Malick spart nicht mit christlicher Symbolik. Schnell wird aus Smith eine gekreuzigte Jesus-Figur, dann wieder erscheint er neben seiner Geliebten als Adam, der aus dem Paradies vertrieben wird. Diesem Paradies stellt Malick einen von Menschen geschaffenen Abgrund gegenüber. Blind für die Anwesenheit des Himmels kreieren sie sich eine Hölle, die ausgestattet ist mit einem stumpfen und dreckigen Glanz, dem sie sich nicht entziehen können. Das macht aus „The New World“ eine allgemeingültige Fabel über das Wesen der Menschheit. Die Legende, der dieser Film zugrunde liegt, rückt dabei in den Hintergrund.

    Terrence Malick ist kein Fließband-Regisseur und das merkt man auch den überzeugenden Bildern an. Sie haben eine ganz eigene machtvolle, stille und poetische Dimension und sind perfekt durchkomponiert. Bild und Ton verschmelzen harmonisch ausgeglichen zu einem manchmal beängstigend perfekten Zweiklang. Die Darstellung der Natur erhält auf diese Weise bisweilen ein ins Unerträgliche gesteigertes Gefühl der Erhabenheit.

    Doch so makellos die Gestaltung des Films auch sein mag, hin und wieder überfordert die epische Breite der Handlung auch. Durch die einmalige Betrachtung kann dieser Film wohl kaum voll erschlossen werden, zu komplex sind die Bedeutungsebenen, zu vielfältig die Symbole. Vielleicht sind solche Filme einfach zu selten geworden, die Welt zu schnelllebig oder man selbst zu ungeduldig. Bei „The new World“ handelt es sich dennoch um eine Ausnahmeerscheinung in der aktuellen Kinolandschaft, die man gesehen haben sollte.

    Fazit: Ein nahezu makellos gestalteter, episch breiter Film über eine ungewöhnliche Liebe und die selbst erschaffene Hölle der Menschen.
  • Zelluloid-Visionär Terrence Malick entwirft sieben Jahre nach seinem meisterhaften Kriegsfilm „Der schmale Grat“ mit der ihm eigenen impressionistischen Ästhetik eine weitere esoterische Betrachtung über die Zerstörungswut der Menschheit und geht dabei zum Sündenfall zurück, als Alte erstmals auf Neue Welt trifft.

    An dem Drehbuch begann Malick bereits vor 25 Jahren zu arbeiten, wobei ihm die Pocahontas-Legende als historischer Hintergrund für den tragischen Aufeinanderprall von zerstörerischer Zivilisation und unberührter Natur diente. Ausgangspunkt ist das Jahr 1607, als drei englische Schiffe im heutigen Virginia anlegen. Es folgt eine mit Humor versetzte „Beschnupperungsszene“ zwischen den Kolonialisten und den Eingeborenen sowie die Freisprechung von Captain John Smith (Colin Farrell), dem für Meuterei die Hinrichtung gedroht hatte. Wenig später blickt er bei einer Erkundungsexpedition im unbekannten Territorium erneut dem Tod ins Auge, doch diesmal wird er durch die Intervention der jungen Pocahontas (beeindruckend: Newcomerin Q’Orianka Kilcher, beim Dreh gerade 14 Jahre alt), Tochter des Königs Powatan (August Schellenberg), gerettet. Zwischen den beiden entwickelt sich durch den behutsamen Austausch ihrer Kultur und Sprache eine verspielte Freundschaft und schließlich auch eine zarte Romanze, womit das Ideal der Annäherung zwischen zwei verschiedenen Welten beschrieben wird. Doch das Idyll währt nicht lange, denn die anderen englischen Siedler und die Eingeborenen stehen in zunehmendem Konflikt miteinander, und die symbolische Vertreibung aus dem Paradies beginnt. So lebt Pocahontas von ihrem Vater verstoßen unter den Siedlern, die aus diversen niederträchtigen Charakteren bestehen, die rücksichtslos Land und Leute schänden. Dies steht in Kontrast zu den Indianern, die „weder Habgier noch Eifersucht kennen“. Von Smith, der letztlich nicht mehr als ein arroganter Abenteurer ist, wird Pocahontas feige verlassen, indem er ihr seinen Tod vorgaukeln lässt. Pocahontas‘ Domestizierung ist damit jedoch nicht beendet. Sie heiratet den Engländer John Rolfe (Christian Bale) und landet schließlich sogar in London. Trotz neuer Kleidung und Umgangsformen ist sie ein unschuldiges Naturkind mit beschämend großem Herz geblieben, deren Lebensessenz in der in jeder Hinsicht kalten Umgebung langsam ausblutet.

    Für Malick stellt „The New World“ den vierten Film seiner 32 Jahre umspannenden Karriere dar. Dass er ein Mann ohne Eile ist, spiegelt sich auch in seinen bedächtigen Bildkompositionen voller lyrischer Aussagekraft. Unterlegt zum wiederkehrenden Klangmotiv von Wagners „Das Rheingold“ kreiert er atemberaubende Aufnahmen unberührter Landschaften, die elegant-elegisch esoterische Einsichten in die zerbrechliche Schönheit von Mutter Natur evozieren. Im starken Kontrast dazu steht Fort James, das sich wie ein hässliches Schandmal für die grausame Ignoranz der Siedler ausnimmt. Kameramann Emmanuel Lubezki („Sleepy Hollow“) filmte dabei gänzlich mit natürlichem Licht, was in Kombination mit Wolken verhangenen Himmeln zu einer gedeckten Farbpalette führt. Neue Publikumshorizonte wird Malick mit seinem meditativen filmischen Mahnmal (trotz kurz entschlossener Kürzung von 16 Filmminuten auf dem letzten Drücker) vielleicht nicht erschließen – dafür erweisen sich auch die spärlichen Dialoge und die Voiceover aus verschiedenen Perspektiven zu sperrig – doch Freunde seiner unkonventionellen Kunst werden erneut fasziniert sein. ara.

News und Stories

Kommentare